wenn die Welt auf dem Kopf steht – für Geld und Geltungssucht.

Schwere Vorwürfe

Oma Cornelia kämpft vor Gericht um den kleinen Maxi (10)

Cornelia F. hält Maxi im Arm. Sie wurde wegen Kindesentzuges angezeigt.

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Cornelia F. hält Maxi im Arm. Sie wurde wegen Kindesentzuges angezeigt.

Jahrelang kümmerte sie sich um ihren Enkel, zog ihn liebevoll groß. Doch jetzt steht Cornelia F. (58) vor Gericht.

München – „Dabei wollte ich dem kleinen Maxi doch nur helfen.“ Es ist die Geschichte eines erbitterten Kampfes um das Kind, der am Dienstag vor dem Münchner Amtsgericht verhandelt wird.

Rückblick: Am 2. September 2006 kam Maxi zur Welt. Weil Mutter Patricia (Name geändert) überfordert war, kümmerte sich die Oma um das Baby. „Er war eine Frühgeburt und wäre beinahe gestorben. Aber Maxi hat sich ins Leben gekämpft. Ich habe ihn dann bei mir aufgenommen“, sagt Oma Cornelia. Über Maxis Kindheit hinweg hat sie eine enge Bindung zu dem Jungen aufgebaut. Als es zum Streit mit der Kindsmutter kommt, beantragt die Oma schließlich das Sorgerecht – und ein erbitterter Streit entbrennt. Die Folge: Am 12. April 2016 klingelte die Polizei im Helene-Meyer-Ring, wo Cornelia F. mit Maxi lebt – und übergibt den Bub an eine Pflegerin. Für die Oma ein Schock! „Maxi wollte nicht weg. Er wurde mir mit Gewalt entrissen und erlitt einen Zusammenbruch.“ Aber das Jugendamt bleib hart – und bestellt einen gesetzlichen Vormund, der seither für Maxi zuständig ist.

Später wird der Bub ins Kinderzentrum nach Hadern gebracht. Gegen die Einrichtung erhebt Cornelia F. schwere Vorwürfe: „Maxi hatte mir gesagt, dass er geschlagen und eingesperrt wurde. Als ich das dem Jugendamt meldete, hieß es nur, die Verletzungen können auch andere Ursachen haben.“ Wirklich? Denn am 9. Juni 2016 flüchtete der Bub aus der Einrichtung. „Er war in einem erbärmlichen Zustand: abgemagert, hatte schlimme Hautprobleme. So hatte ich ihn noch nie gesehen.“ Weil Maxi auch Hämatome hatte, stellte die Oma Strafanzeige bei der Polizei. Auf tz-Nachfrage weist das Kinderzentrum die Vorwürfe „entschieden zurück“, sagt Sprecherin Astrid Dennerle.

Polizei-Hubschrauber und Hundestaffeln suchen

„Oma, du musst mir helfen“, habe Maxi immer wieder gefleht. Deshalb sei sie mit dem Bub für einige Tage nach Berlin gefahren. „In diese Einrichtung wollte er auf keinen Fall zurück – und drohte sogar, sich umzubringen“, sagt Cornelia F. Doch ihr Trip hat Folgen: Hundestaffeln und sogar Polizei-Hubschrauber suchen nach dem Jungen – denn er gilt als vermisst. Die Pflegerin zeigt die Oma an, deshalb wird Cornelia F. jetzt der Prozess gemacht. Die Anklage lautet auf Kindesentzug.

„Jetzt soll ich der Schwerverbrecher sein, das macht mich fertig“, sagt Cornelia F., die noch immer um das Sorgerecht kämpft. Nur das Beste habe sie für ihren Maxi gewollt. Jetzt müssen die Richter über sein Schicksal entscheiden. Und über das der Oma: Ihr drohen sechs Monate bis fünf Jahre Haft.

Kein Maulkorb für Kritiker

Kein Maulkorb für Kritiker
Homepage von Berliner Psychiatrieerfahrenen bleibt nach Amtsgerichtsspruch im Netz

Pointierte Kritik an Gentechnologie wird weiterhin auf der Homepage des Berliner Landesverbands der Psychiatrieerfahrenen zu lesen sein. Eine Klage des Direktor des Instituts für Humangenetik und Mitglied des nationalen Ethikrates, Prof. Peter Propping, war Ende vergangener Woche vom Berliner Amtsgericht abgewiesen worden. Propping hatte sich durch die Kritik im Netz beleidigt gefühlt und in die Nähe des Faschismus gerückt gesehen. Darauf verklagte er René Talbot von den Psychiatrieerfahrenen wegen Beleidigung.

„Wir haben Wichtigeres zu tun“ begründete vorm Berliner Amtsgericht Tiergarten ein intellektuell sichtlich überforderter Staatsanwalt während der Verhandlung seinen Antrag auf Verfahrenseinstellung. Schon bei der Verlesung der Anklage war er mehrmals ins Stocken gekommen. Der Richter mußte ihm wissenschaftliche Fachbegriffe soufflieren.

Das Verfahren selbst erinnerte stellenweise an eine Uni-Vorlesung. Talbot verteidigte den inkriminierten Text im Internet offensiv und mit wissenschaftlicher Schärfe. Er verlas Auszüge aus dem Selbstverständnis des Landesverbands der Psychiatrieerfahrenen, wozu neben dem Eintreten für eine gewaltfreie Psychiatrie auch die Abschaffung der Zwangsberatung und Zwangsbehandlungen gehöre. Ausführlich ging er auf die wissenschaftliche Arbeit des Klägers ein. Propping mache psychische Krankheiten an körperlichen Merkmalen, Mentales und Verhalten an den Genen fest. So biete er auf psychiatrischen Kongressen Chromosomen-Workshops an.

Doch nicht nur die theoretische Arbeit von Propping wurde von Talbot heftig kritisiert. Auf der Suche nach verdächtigen Gene würden von Propping und seinem Institut Blutproben von Psychiatriepatienten entnommen. Für die Psychiatrieerfahrenen handelt es sich dabei um einen Verstoss gegen die Selbstbestimmung der Klinikinsassen. Aus diesem Grund hatten sie in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Schröder und Bundespräsident Rau schon vor Monaten vergeblich die Abberufung von Propping aus dem Ethikrat gefordert.

Talbots Verteidiger Ziegler erklärte in einem kurzen Plädoyer, dass sich Propping der politischen Kritik der von seinen Forschungen Betroffenen stellen müsse. Auch er stimmte der Einstellung des Verfahrens zu. René Talbot hätte zwar lieber einen Freispruch erreicht, sieht in dem Ergebnis aber einen Erfolg. Zumal Propping schon vor Monaten im Rahmen eines Zivilprozesses vergeblich gegen die kritischen Texte im Internet vorgegangen war. Auch damals wurde das Verfahren eingestellt.

Peter Nowak

Ein nahezu wortgleicher Artikel erschien in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ am 12.02.2002

Tod durch POLIZEIKUGELN

Tod durch Polizeikugeln

Die Bundeswehr macht wieder viel von sich reden. Grund ist die teilweise hingebungsvolle Traditionspflege, die die Wehrmacht so fest ins Herz schließt. Aber wie ist es bei der Polizei?

Von Rafik Will
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Es war politischer Mord: Demonstration in München am 5.6.67, drei Tage nachdem die Westberliner Polizei den Studenten und Pazifisten Benno Ohnesorg während der Proteste gegen den Schah-Besuch erschossen hatten

Die Bundeswehr macht wieder viel von sich reden. Grund dafür sind die komischen bis rechtsradikalen Leute, die da arbeiten und die teilweise hingebungsvolle Traditionspflege, die die Wehrmacht so fest ins Herz schließt. Aber wie ist es bei der Polizei? Der Polizeianwärterin Lissy in Stella Lunckes und Josef Maria Schäfers’ gleichnamigen Hörspiel (SWR 2017; Ursendung Teil 1/2 Di., 19.20 Uhr, SWR 2) bleibt da nur noch das Weglaufen. Vorher piept es in ihrem Ohr, man könnte sagen, die Probleme melden sich akustisch.

In Michael Lisseks Feature »Der Tod des Tennessee Eisenberg – Ein Requiem für gemischten Chor«(SWR/BR/NDR 2010; Di., 20 Uhr, NDR Kultur) geht es um einen Musikstudenten, der 2009 in Regensburg von der Polizei erschossen wurde, weil er ein Messer in der Hand hielt, als er ihr die Wohnungstür aufmachte und es auch nicht fallen ließ. Kürzlich hat die taz nachgerechnet: zwischen 2009 und 2017 starben in der Bundesrepublik 74 Menschen durch Polizeischüsse, bei 38 bei von ihnen gab es Hinweise auf psychische Erkrankungen.

Und den dystopischen Ausblick auf eine Gesellschaft, die die Folter wieder einführt, bietet Tom Peuckerts Hörspiel »2009« (WDR 2007; Mi., 19 Uhr, WDR 3).

Darf ein Bundeswehrsoldat ein Passagierflugzeug abschießen, um ein vollbesetztes Fußballstadion vor einem möglichen terroristischen Anschlag zu schützen? Dieser Frage widmet sich Ferdinand von Schirachs Hörspiel »Terror« (NDR 2016; Mi., 20 Uhr, NDR Kultur). Zur Abwechslung geht’s mit Ergo Phizmiz’ in die Traumfabrik! »Hollywood: A Bestiary« (BR 2014; Mi., 21 Uhr, HR 2 Kultur) mit zahlreichen tierbezogenen Geschichten und Songs von der US-amerikanischen Westküste.

jw-probelesen

An den 50. Todestag von Benno Ohnesorg erinnert das ARD-Radiofeature von Margot Overath »Chronik einer Hinrichtung – Der Tod von Benno Ohnesorg« (RBB/NDR2017; Ursendung Mi., 22 Uhr, RBB-Kulturradio und MDR Kultur), während Peter Kreysler in »Gifte für ein besseres Leben – Chemiekonzerne machen mobil« (SWR 2017; Ursendung Mi., 22 Uhr, SWR 2) auf die Gefahr multiresistenter Superunkräuter durch Agrartechnologie hinweist, die harte Pflanzenschutzmittel mit dagegen resistenten Kulturpflanzen koppelt.

Empfehlenswerte Feature-Ursendungen zum Wochenende sind Monika Kursawes »Der Klang der Stille – Oder: Warum das Nichts nicht existieren kann« (BR 2017; Fr., 19 Uhr, Wdh. Sa., 14 Uhr, BR-Klassik), Barbara Leitners »Eine Sprache der Verbindung – Die Lange Nacht über gewaltfreie Kommunikation« (Sa., 0 Uhr, DKultur und 23 Uhr, DLF), Annika Erichsens »Ein trans-lesbisches Familienglück oder: Das aufgeklärteste Kind der Welt« (DKultur 2017; Sa., 18 Uhr, DKultur) sowie Markus Metz’ und Georg Seeßlens »Zum Mars! Der Traum vom Roten Planeten« (DLF 2017; So., 20 Uhr, DLF).

in diesen Berufen drohen Depressionen

http://www.msn.com/de-de/finanzen/service-und-ratgeber/statistik-in-diesen-berufen-drohen-am-ehesten-depressionen/ar-AAkIlzM?li=BBqg6Q9&ocid=mailsignout

Im „Depressionsatlas“ konnten medizinische und pädagogische Zweige als von besonders hohen Krankheitstagraten betroffen ausgemacht werden.

Psycho.Tipps für ihre Gesundheit

http://www.msn.com/de-de/gesundheit/medizinisch/psycho-tipps-f%C3%BCr-ihre-gesundheit/ar-BB9k4zo?li=BBqg6Q9&ocid=mailsignout

Lebensweise und Immunsystem der Amish-People

https://www.pravda-tv.com/2017/05/lebensweise-und-immunsystem-warum-die-amish-people-so-selten-allergien-bekommen-video/

Bei den Amischen, die moderne Techniken ablehnen und ihre Äcker noch mit Pferden pflügen, beobachtete die Allergologin einen sehr ausgeprägten Schutz. Die Hutterer hingegen, eine andere religiöse, Landwirtschaft betreibende Gemeinschaft in Nordamerika, leiden ähnlich häufig unter Allergien wie Stadtmenschen.
„Die Hutterer haben eine sehr moderne Landwirtschaft. Also die haben Riesenfarmen, wo sie Truthähne oder Schweine oder Kühe haben, aber die Kinder haben damit keinen Bezug, weil das so industrialisiert ist mit großen Maschinen, zum Teil mit Robotern. Da ist kein Platz für Kinder.“