wo die Aggressionen wohnen:

Aus: Ausgabe vom 20.05.2017, Seite 10 / Feuilleton

Wo die Aggressionen wohnen

Von Wiglaf Droste

Herrje, so viele Gefühle

im Menschheits- und Lebensgewühle!

Sie lungern und krauchen

und hungern und fauchen.

Sind sie denn hoffentlich positiv

oder, ogottogott, negativ?

Wer so fragt, der irrt schon sehr lang

und hat, a priori, nur Primi-tiv-Gang.

*

Denn Gefühle, mein dussliges Kind,

sind nicht so oder so, sondern sind.

Libido und Aggression,

Freude am Akkordeon.

Von Todesangst vor Geigen

wollen wir nicht schweigen.

Und auch über Bratschen

sollten wir mal quatschen.

*

Miss- und Gleichmut, Trauer, Wut:

Der da kriegt was auf den Hut!

Der da kriegt was auf den Kopf

mit dem Zwiebelsuppentopf.

Zwiebelsuppe? – Zwiebeldutt!

Den schlag ich erst recht kaputt.

Und auch die Adolf-trifft-Elvis-Frisur

geht mir gegen die Natur.

*

Gefühl ausleben? Schreien? Weinen? –

Tu dir Zwang an, und mir keinen!

Du träumst von gemischten Gefühlen?

Die kannst du haben, da, zwischen den Stühlen.

Nur »gefühlte Zeit«, Mensch, die gibt es nicht.

So etwas fühlt nur ein Arschgesicht:

ein Erker, in den man eintreten darf,

hart und fest und schmerzend scharf.

*

Es gibt auch kein »No go«

und schon gar kein »to go«!

Doch unten in Togo, da gibt es Bohnen,

weil dort unsere Aggressionen wohnen.

Die heißen Kloppe, Kloppe und Reiter,

und so geht es immer weiter.

Bis mit großer Weit- und Nachsicht

der Teufel seinen Kreis durchbricht.

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