wie Kinder aussortiert werden

http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bayern-auslese-fuers-gymnasium-belastet-grundschueler-und-eltern-a-1145393.html

„Kindliche Bedürfnisse bleiben bei diesem ganzen Auswahlverfahren oft auf der Strecke“, kritisiert Löwe. „Es bleibt viel zu wenig Zeit zum Spielen.“ Schon Neunjährige litten unter Erschöpfungszuständen.

Die Folge: Wechselten in den Fünfzigerjahren noch rund zehn Prozent eines Jahrgangs nach der Grundschule aufs Gymnasium, sind es heute etwa 40, in einigen Bundesländern sogar 50 Prozent. Dadurch ist die Schülerschaft an den Gymnasien insgesamt weniger elitär, sozial durchmischter. Trotzdem bleibt die „Auslese“ der Viertklässler mit Blick auf soziale Herkunft und Chancengleichheit fragwürdig.

„Wir haben ein schreiend ungerechtes Schulsystem“, kritisiert Bos. Studien belegen: Mit dem Wechsel nach der Grundschule werden Kinder in Deutschland nicht nur nach Leistung getrennt – sondern teilweise auch nach sozialen Milieus.

An Gymnasien stammen überdurchschnittlich viele Schüler aus der bürgerlichen Mitte. Es sind oft Kinder von Juristen, Unternehmern oder Lehrern, seltener von Fließbandarbeitern. An Haupt- und Realschulen sieht die Schülerschaft meist anders aus, ebenso an integrierten Schulformen wie Stadtteil- oder Sekundarschulen, die mehrere Bundesländer als einzige „zweite Säule“ neben dem Gymnasium eingeführt haben.

Hier kommt die Mehrheit aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status, und das ist kein Zufall: Beim Übergang zählt nicht nur Leistung, sondern zum Teil auch soziale Herkunft. „Für ein Professorenkind ist die Wahrscheinlichkeit, vom Lehrer eine Empfehlung fürs Gymnasium zu bekommen, etwa drei Mal höher als für ein Facharbeiterkind“, sagt Bos, „und zwar selbst bei gleicher Leistung und gleicher Intelligenz.“

Gegen das Gymnasium an sich sei auch nichts zu sagen, betont Bos. „Die Leistung stimmt, die Lernbedingungen sind gut.“ Er grinst: „‚Gymnasium für alle‘ – da wäre ich dabei. Es müssen ja nicht alle Abitur machen.“ Bos ist jedoch überzeugt: „Das scheitert am Widerstand gutbürgerlicher Eltern, die um Startvorteile für ihre Kinder fürchten.“ Manchen gehe es zudem um soziale Abgrenzung. „Man will unter sich bleiben.“

 

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