Lieben Sie ihre Patienten `?

Seit 1994 bin ich ehrenamtlich aktiv in der Selbsthilfebewegung Psychiatrie-Erfahrener. Was ich in den 13 Jahren mitbekommen habe, mündet in der traurigen Erkenntnis, die mich die Psychiatrie insgesamt als Skandal bezeichnen läßt. Da läuft soviel falsch und unmenschlich, daß mir die Worte fehlen, um das angemessen zum Ausdruck zu bringen. Und da Vergleiche hinken, laß ich das auch. 2003 habe ich mir meine Betroffenheit in einem längeren Artikel von der Seele geschrieben. Hier ist er:
Lieben Sie Ihre Patienten?
oder:
Formale Denkstörung von Psychiatern?
(Dieser Beitrag erschien in Nr. 1/2005 der Zeitschrift „Sozialpsychiatrische Informationen“ (Psychiatrie Verlag, Bonn), geschrieben wurde er aber schon 2003/2004. Inzwischen gibt es weitergehende Erkenntnisse, vor allem zu den Aspekten „Lebens-Energie(=Liebe)“ und „Spirituelle Dimension von Psychosen“ / „Religiöses Erleben im Umfeld psychischer Krisen“.
Aufgrund der hier beschriebenen Denk- und Handlungsweisen in der (herkömmlichen, regelversorgenden) Psychiatrie könnte man den beteiligten Psychiatern (und denen, die ihnen zu- oder nacharbeiten) ‚formale Denkstörung‘ diagnostizieren. Dies ist nicht Ausdruck von Böswilligkeit (jeder der mich kennt, weiß, daß ich – seit 1994 Aktiver der Psychiatrie-Erfahrenen-Selbsthilfebewegung – so nicht bin), sondern Ausdruck meiner Betroffenheit – ja, Trauer und manchmal fast Verzweiflung – angesichts der zu beobachtenden Einseitigkeit, Oberflächlichkeit, Interesselosigkeit – kurz: Lieblosigkeit. Aber muß wissenschaftliches Denken oder Handeln mit Lieblosigkeit einhergehen?
Ist vielleicht die ganze zivilisierte Gesellschaft „normal“ lieblos und wir bemerken dies nur besonders hart im Umfeld der Psychiatrie und Psychotherapie?
Leiden die von mir kritisierten Psychiater gar nicht unter einer Denk-, sondern Gefühlsstörung?
Ist vielleicht die „normale“ Lieblosigkeit sogar wesentliche Ursache aller psychischen Erkrankungen…?
Das medizinisch-wissenschaftliche Weltbild (wenn es denn das ist, an dem sich der von mir kritisierte Typ Psychiater orientiert) ist hinderlich für die angemessene Behandlung bzw. für den wirklichen Nutzen der Patienten.
Welcher Psychiater – und welcher heutige Mensch überhaupt – hat denn noch ein nicht fachlich begründet partielles Weltbild, sondern ein „ganzheitliches“?
Eine der wenigen „Lichtgestalten“ auf der professionellen Seite der Psychiatrie in Hamburg ist gar kein ausgebildeter Mediziner – und dennoch von vielen Betroffenen, Angehörigen und sogar professionellen Kollegen bewundert und oft zu Rate gezogen.
Ein anderer, den inzwischen jeder kennt – Klaus Dörner – ist zwar Mediziner, hat aber auch noch Philosophie und Soziologie studiert; was aber wahrscheinlich nicht allein seine radikal menschliche Haltung begründet.
Aus der Sicht Betroffener sind häufig solche Psychiater die als „besser“ empfundenen (weil aufgeschlossener, verständiger, „menschlicher“), die neben ihrem Studium der Medizin bzw. Psychiatrie auch noch studierte Psychologen, Philosophen oder Theologen sind.
Wobei schwer zu sagen ist, was hier Ursache und Wirkung ist.
Bestimmt die schon vorhandene Grundhaltung die Wahl des Studiums oder folgt die Grundhaltung aus dem Studium?
Ich glaube, dass man – unabhängig von Studium oder Berufswahl – ganz(heitlich)er oder nicht ganz(heitlich)er Mensch sein kann. („Der ganze Mensch“ ist ein Buch von Martin Dammholz, einem homöopathischen Arzt, erschienen im Haug Verlag.
Der „ganze“ Mensch ist der heute eher seltene Fall eines Menschen, der wirklich ganz – also er selbst – ist; im Gegensatz zu den vielen, die es nicht sind.
Der einseitig wissenschaftlich geschulte Verstand neigt dazu, immer tiefer – wie mit dem Mikroskop – in die einzelnen Bestandteile der Dinge zu sehen, statt aus größerem Abstand in einer Gesamtschau Zusammenhänge zu erkennen, einen größeren Überblick zu gewinnen.
Der „Geist“ der Wissenschaft blickt – wie in Platons Höhlengleichnis – auf die Schatten der Dinge an der Höhlenwand und sieht in ihnen die Wirklichkeit.
Mir scheint, so sehen die (biologisch orientierten) Psychiater die Psychosen; sie sehen nur die sichtbaren Symptome einer von ihnen so genannten Erkrankung – die Schatten einer dahinter liegenden Wirklichkeit.
Die wahren Verursacher dieser Symptome werden von diesen Psychiatern nicht gesehen, weil sie nicht den Zusammenhang beachten, in dem es zu der jeweiligen Störung gekommen ist und, was sie bedeuten kann bzw. sagen will.
Der angeblich gestörte Hirnstoffwechsel ist nur eine Begleiterscheinung – nur das biologische Gegenstück zu einem gestörten „seelischen Stoffwechsel“:
Unverdaute Probleme oder Konflikte, die schwer im „seelischen Magen“ liegen und seelisches Völlegefühl oder seelische Übelkeit verursachen;
Angst, die zu „seelischer Verstopfung“ führt;
Schreck, der „seelischen Durchfall“ auslöst.
So, wie der Körper auf Stress reagiert, reagiert die Seele auch – entsprechend – auf ihre Art.
Jeder gesunde Mensch kennt von sich Augenblicke oder Zeiten, in denen er „wie gelähmt“ war vor Schreck, Schmerz oder Trauer;
euphorisch vor Freude oder Begeisterung;
außergewöhnlich leistungsfähig, kreativ;
verrückt vor Glück oder wahnsinnig verliebt.
Wer kennt nicht, dass ihm der Kopf „schwirrt“, „brummt“ oder „raucht“, wenn er sich an einem Problem festgebissen hat oder eine Arbeit unter Zeitdruck fertig werden soll?
Wer kennt nicht, dass ihm nach stunden-langem reden, zuhören oder denken ganz „wirr im Kopf“ wurde?
Wer kennt nicht die bei großer Anstrengung auftretenden Fehlleistungen, Konzentrationsstörungen, Aussetzer?
Wer kennt nicht das Gefühl von tiefer Trauer, von Leere, Hoffnungslosigkeit, scheinbarer Sinnlosigkeit des Lebens nach Verlusterlebnissen oder nach langer Zeit von Entbehrung?
Das besondere bei Psychosen ist, dass geistige Anstrengung zum Teil im Unbewussten abläuft oder schon eine ganze Weile abgelaufen ist;
es handelt sich bei den Problemen bzw. Konflikten, die der zur Psychose neigende Mensch mit sich herumträgt, oft um Probleme bzw. Konflikte, die er verdrängt hat, da sie im Bewusstsein zu störend wären oder zu schmerzhaft, um sie ertragen zu können.
Seit 9 Jahren höre ich in der Selbsthilfebewegung die Erlebnisberichte von Betroffenen. Bei den meisten wurde deutlich, daß sie von irgendwelchen Problemen / Konflikten überfordert waren.
Oft fand sich der Hinweis, dass schon in der Erziehung dieser Menschen etwas nachteiliges geschehen war, wie z.B. über-ängstliche oder realitätsfremde Mütter, zu starke oder zu schwache Gefühle bzw. Emotionalität der Mutter, mangelnde oder übertriebene Liebe, mangelnde Zuwendung, Annahme, Bestätigung, Ermutigung, Herausforderung, Freiheit, Abnabelung, usw.
Offenbar sind unter solchen Verhältnissen auch notwendige Entwicklungsschritte der kindlichen / jugendlichen Persönlichkeit nicht ermöglicht / nicht vollzogen worden. In der Folge konnten bestimmte Erlebnisse / Informationen nicht eingeordnet / verarbeitet / angenommen werden.
Dorothea Buck – unter Pseudonym Sophie Zerchin (Anagramm von „Schizophrenie“) Autorin von: „Auf der Spur des Morgensterns – Psychose als Selbstfindung“) – hat es als selbst Betroffene so analysiert, dass es „gestaute Gefühle und Impulse“ waren, die ihre fünf psychotischen Schübe ausgelöst hatten und dass keine weiteren Psychosen folgten, als sie das erkannt und beschlossen hatte, Gefühle und Impulse aus ihrem Inneren nicht mehr sich stauen zu lassen, sondern damit und daraus zu leben. Dorothea Buck hat viel über die Unlogik der Psychiatrie geschrieben, so auch darüber, dass paradoxerweise „Magengeschwüre seelisch verursacht sein dürfen, Psychosen jedoch nicht.“
Ich gehe in meinen Überlegungen noch weiter. Ich meine, dass seelische Störungen in der Regel – wenn es „echte“ seelische Störungen sind – seelisch verursacht sind. „Unechte“ seelische Störungen können körperlich verursacht sein – wie z.B. die schizophrenie-ähnlichen Symptome bei der Pyrrolurie = Vitamin B6- und Zinkmangel (orthomolekulare Medizin / Psychiatrie).
Solche Symptome sind dadurch erfolgreich zu behandeln, dass man den Patienten ein Präparat zu-führt, das Vitamin B6 und Zink enthält – also genau das, was dem Körper fehlt.
Neuroleptika oder andere Medikamente wären hier völlig fehl am Platz.
Bei Untersuchungen in Psychiatrien fand man bis zu 30 % Patienten, denen „Schizophrenie“ diagnostiziert worden war und die man dort mit Neuroleptika erfolglos behandelte, die nur unter dem o.g. Mangel an Vitamin B6 und Zink litten und deren schizophrenie-ähnlichen Symptome wenige Tage nach der Gabe des Präparats mit Vitamin B6 und Zink sich vollständig zurückbildeten.
Neuroleptika beheben keinen ursächlichen Mangel.
Es ist übel, dass in Psychiater-kreisen Psychosen mit Diabetes verglichen werden.
Bei Diabetes gibt es im Körper einen Mangel an Insulin und solches wird bei Bedarf von außen zugeführt. Diabetes ist also eine Insulin-Mangelkrankheit.
Psychosen aber sind keine Neuroleptika-Mangelkrankheit.
Neuroleptika decken keinen Bedarf im menschlichen Körper, sondern dämpfen Symptome, so wie man eine heftige Blutung an Arm oder Bein durch Abbinden des betreffenden Gliedes unterbinden kann. Beides ist keine Dauerlösung!
Die Ursache der Blutung muss erkannt und behoben, die Verletzung repariert werden.
Ebenso muss im Falle der Psychose die Ursache erkannt und behoben werden.
Worauf sich Psychiater oft berufen, sind „statistische Fakten“. Das sind durch „wissenschaftliche“ Arbeit ermittelte Daten.
Statistische „Wahrheiten“ haben jedoch für die Beurteilung des Einzelfalles keinen Aussagewert. Extrem-Beispiel: Es würde festgestellt, dass ich an einer Krankheit erkrankt bin, an der bisher alle Menschen gestorben sind, die daran erkrankt waren. Was soll mir die Information des Arztes über diese Statistik helfen?
Mich darum zu kümmern, dass ich auf meinen Tod vorbereitet bin? Das sollte ich als gesunder Mensch sowieso jederzeit sein. Er könnte mich ermutigen, indem er sagte, dass ich trotz allem jede Chance hätte, zu überleben bzw. wieder ganz gesund zu werden – erstens, weil ich zufällig der erste sein könnte, der an dieser Krankheit nicht stirbt und zweitens, weil man diese Krankheit vielleicht nur überlebt, wenn man zuversichtlich gestimmt ist und drittens alle Möglichkeiten (und nicht nur wissenschaftlich abgesicherte, evaluierte!) nutzt, die der Gesundung dienlich sein können.
Es mag bisherige Erfahrung von Psychiatern sein, dass ungefähr ein Drittel aller schizophren Diagnostizierten dauerhaft chronifiziert, ein weiteres Drittel nach mehreren Schüben symptomfrei bleibt und dass es beim letzten Drittel bei einer einzigen psychotischen Episode bleibt. Dies einem Patienten im Hinblick auf seine Gesundungschancen mitzuteilen, halte ich für kontraproduktiv, im Grunde sogar für einen Behandlungsfehler; weil es sich für den Patienten in negativer Weise als eine „selbsterfüllende Prophe-zeiung“ auswirken kann.
Wer – wie es oft ist – als Patient ohnehin verunsichert bzw. ängstlich ist, könnte mit Hilfe einer solchen Information von seinem Psychiater fürchten lernen, er/sie gehöre zur ersten Gruppe – den lebenslang Chronifizierenden.
Alle Aussagen von Behandlern in ähnlicher Richtung sollten ebenfalls vermieden werden – wie z.B. oft den Patienten gesagt wird:
Sie sind sehr schwer krank / das ist unheilbar
■ Sie müssen viele Jahre / lebenslang Medikamente nehmen
■ Sie müssen ihre Lebensplanung / berufliche Planung vergessen
■ Sie können selbst gar nichts zur Gesundung beitragen
■ Nur die von uns empfohlenen Medikamente können helfen
Das sind alles mehr oder weniger unzutreffende, zumindest aber unnötig entmutigende, Aussagen. Besser wären Aussagen, die ermutigen, wie z.B.
■ Auch wenn es Ihnen jetzt nicht gut geht / wenn Sie jetzt verunsichert sind / wenn Sie jetzt gerade Angst haben: Sie dürfen hoffen, dass das vorbei geht – wie bei vielen anderen Patienten auch. Die Symptome der Störung können wir mit Medikamenten mildern – vielleicht sogar ganz unterdrücken. Aber Ursache und Auslöser können wir damit nicht beseitigen, das können nur Sie.
Wenn Sie sich bemühen zu verstehen und anzunehmen, was Ihnen Ihre Psychose sagen will, kann es gut sein, dass sie nie wieder kommt. Zu jeder Zeit und in jedem Stadium dieser Störung haben Sie alle Chancen, dass es gut ausgeht und Sie gesund und glücklich werden.
Woran mag es liegen, dass die Sozialpsychiatrie an Boden verloren hat?
Weil die „glamouröse“ Pharmaindustrie so viele Psychiater mit ihren Verlockungen blendet?
Welche milliardenschwere Industrie mit entsprechenden Hochglanzbroschüren und Incentives steht hinter denjenigen Profis in der Psychiatrie, die nicht das Primat der antipsychotischen Medikamente (Neuroleptika) vertreten?
Woran mag es liegen, dass die Anthropologische Psychiatrie mit ihrer sehr aufgeschlossenen, verstehenden, annehmenden, humanen Haltung derzeit ein Schattendasein führt?
Immerhin haben wir an der Universitätsklinik Eppendorf in Hamburg eine Vorlesungsreihe „Anthropologische Psychiatrie“, gestaltet von PD Dr. Thomas Bock und Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner.
Sie sei hiermit allen, die im Bereich Psychiatrie tätig sind, warm ans Herz gelegt – ebenso wie die trialogischen Psychose-Seminare, die inzwischen an weit über hundert Orten stattfinden und wo viele Erkenntnisse gewonnen werden, die auch wichtig wären für Psychiater, die dort aber immer noch deutlich in der Minderheit sind.
Woran mag es liegen, dass psychologische Erklärungsmodelle für psychische Erkrankungen in der Psychiatrie so wenig beachtet werden?
Sie scheinen mir viel schlüssiger als die biologisch-medizinischen Ursachen- oder Erklärungsmodelle. Selbst das sehr gängige Streß-Vulnerabilitätskonzept bietet kaum Ansätze für seelisch-soziale Ursachen noch – dement-sprechend – einen Ansatz für Heilungsmöglichkeit.
Sehr überzeugend finde ich z.B. den Ansatz von Ty C. Colbert („Das verwundete Selbst – Über die Ursachen psychischer Krankheiten“, Beust Verlag). Colbert beschreibt 8 Stufen von der Gefühlsinvestition und Ablehnung bis hin zu den verschiedenen Symptomen (Depression, Angst, Aggression, Eßstörungen usw.), die von der Psychiatrie als verschiedene Krankheitsbilder gesehen werden. Colbert – der selbst als Therapeut arbeitet -, ist überzeugt, dass es auch aus dem letzten, achten, Stadium – bei welchen Symptomen auch immer – die Möglichkeit der Umkehr und Rückkehr zum Heilwerden, zum inneren Frieden, gibt.
Woran mag es liegen, dass der weitaus überwiegende Teil der Forschungsgelder dieses Bereichs in die biologische Forschung (ca. 98 %) fließt und nur etwa 2 % in andere, z.B. psychologische (Ursachen-)Forschung?
Ein von Dorothea Buck angestoßenes Forschungsprojekt im BPE (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.) erbrachte deutliche Anzeichen für die seelische Verursachung von Psychosen.
Dorothea Buck fordert seit vielen Jahren, dass die Psychiatrie eine empirische Wissenschaft werden muss, die auf den Erfahrungen der Betroffenen gründet.
Dieser Forderung hat sich der (BPE) auch schon vor Jahren angeschlossen.
Ein Betroffener, Dr. Joachim Glaubrecht, Mitglied des Vorstandes des BPE, hat mit sich selbst und anderen Betroffenen die Erfahrung gemacht, dass sich in der Psychose das bis dahin vernachlässigte, unterdrückte „wahre Selbst“ zeigte und, dass bis zu diesem Ereignis ein falsches, „idealisiertes Selbst“ den Menschen – in die Irre – geführt hatte.
Diese Sichtweise wird u.a. gestützt durch das Buch „Sein wie Gott“ von Ronald Mundhenk, erschienen im Paranus Verlag der Brücke Neumünster. Untertitel: „Aspekte des Religiösen im schizophrenen Erleben und Denken“.
Mir scheint, so unangenehm empfundene Symptome wie Ich-Auflösung oder Depersonalisation beschreiben genau dies: Das falsche Selbst löst sich auf (bzw. wird vom bisher verdrängten, unbewußten wahren Selbst, das sich jetzt ins Bewußtsein drängt, aufgelöst).
Das wahre Selbst kann man auch als den eigentlichen Kern des Menschen ansehen, als den „göttlichen Funken“, der in jedem von uns steckt.
Deshalb auch bei vielen Betroffenen die plötzliche Wahrnehmung, mit dem Göttlichen in Verbindung oder Teil von ihm zu sein, Gottes Sohn oder von ihm gesandt oder beauftragt – und das selbst bei Menschen, die nicht religiös waren oder sind und solchen, die auch keine religiöse Erziehung genossen hatten.
Das „veränderte Weltgefühl“ (Zitat Dorothea Buck) stellt sich ein, wenn Gefühlsbereiche in uns besonders (intensiv) angesprochen werden, besonders viel Energiezufuhr bekommen oder plötzlich von Blockaden befreit werden und wieder normale Energiezufuhr erhalten; wenn wir mit Gefühlen – wieder – in Kontakt kommen, von denen wir vorher abgetrennt waren.
Ich erinnere mich an die Akupunktur-Raucherentwöhnung im Sommer 1987. Als ich nach der ersten Anwendung aus dem Haus des Akupunkteurs auf die Straße trat, habe ich die Welt merklich anders wahrgenommen: deutlicher, intensiver. Geruchs- und Geschmackssinn waren spürbar verändert. Ich führe das darauf zurück, dass Energieblockaden gelöst worden waren.
Noch deutlicher war mein Erleuchtungserlebnis von 1991. Ein zuvor nie erlebtes, völlig neuartiges Gefühl völliger innerer Befreiung; die Erkenntnis einer ganzen Reihe wichtiger Grundsätze und Zusammenhänge sowie die Erkenntnis der Ursachen meiner früheren inneren Gefangenheit und der Ursachen der kollektiven gesellschaftlichen Krankheit und ihrer Folge, der „globalen Krise“. Ein Wahn?
Für mich damals nicht und heute, 12 Jahre später, immer noch nicht. Die Erkenntnisse sind wahr und echt. Die Visionen, die ich damals hatte und die Bilder, die sich mir aufdrängten, habe ich für mich interpretiert, ihnen einen Sinn für mein Leben beigemessen und mich danach verhalten – und hatte immensen Gewinn davon für meine Persönlichkeits- bzw. Selbst-Entwicklung.
Klaus Mücke („Die psychotische Krise“, Öko-Systeme-Verlag, Potsdam) erklärt Psychosen aus systemtherapeutischer Sicht als verdrängte Konflikte z.B. dem zwischen Familien- und Eigenloyalität. Ich glaube aber, daß Psychosen aus den unterschiedlichsten Konflikten; aus ungelösten oder befürchteten Problemen; aus gestauten Gefühlen, unterdrückten oder verleugneten Bedürfnissen oder Impulsen entstehen können. Alles, was dem Bewußtsein als unlösbar oder zu schmerzhaft erscheint und verdrängt wird, kann zum psychotischen Potential im menschlichen Unbewußten werden.
Auch wenn mir das Erklärungsmodell von Klaus Mücke für die Ursachen von Psychosen noch zu einfach erscheint; für eine andere, sehr deutliche Darstellung bin ich ihm sehr dankbar: Die der sehr wahrscheinlich unnötigen Chronifizierung von vielen Fällen durch die von herkömmlichen Psychiatern geübte Praxis, die Betroffenen zu schwer Kranken zu erklären, die selbst nichts zu ihrer Gesundung beitragen können, außer blind auf diese Psychiater mit ihrem biologisch-genetischen Erklärungsmodell und den Neuroleptika zu vertrauen. So werden die Patienten zu einer für sie schädlichen Compliance manipuliert, die manchmal lebensgefährlich ist oder zu lebenslänglicher Chronifizierung führt. Solchen Psychiatern möchte ich mein Vertrauen nicht mehr schenken.
Nach 9 Jahren Aktivitäten im Bundes- bzw. Landesverband Psychiatrie-Erfahrener, als Kontaktperson für mehrere Selbsthilfegruppen Psychiatrie-Erfahrener und Teilnehmer an unzähligen Psychose-Seminaren und anderen Veranstaltungen Betroffener habe ich soviel gegenteilige Erfahrungen gehört, von so vielen alternativen Behandlungsmodellen, Erklärungsmodellen und anderen guten Ansätzen gehört, daß mir die regelver-sorgende, herkömmliche Psychiatrie vorkommt wie eine schlecht ausgerüstete Klempnerei, die mit unzureichendem Werkzeug und Material eine funktionierende Wasserversorgung herstellen soll. Der Psychiater, der nur Neuroleptika als wirksames Werkzeug kennt, kommt mir vor wie ein Klempner, der nur einen Hammer zur Verfügung hat: er kann damit einiges plattklopfen und vieles kaputtschlagen, aber aufbauen tut er so nichts.
Auch wenn Klaus Mücke möglicherweise nicht die Patentlösung für alle Psychotiker gefunden hat und letztlich nur einem Teil der infragekommenden Patien-ten mit seinem Ansatz geholfen werden kann, bin ich überzeugt, daß es auch für die restlichen Psychosen psychotherapeutische Möglichkeiten der Intervention bzw. Behandlung geben muss – sie sind nur noch nicht gefunden oder aber gefunden und noch nicht überall bekannt. Wenn alle anderen psychischen Störungen mit Psychotherapie behandelbar sind, dann sind es nach meiner Vorstellung von der Einheitlichkeit der Naturgesetze auch alle „echten“ – also seelisch verur-sachten – Psychosen!
Ursache psychischer Erkrankung bzw. Störung und das Ausbleiben von wirklicher Heilung ist immer: zu wenig Liebe.
Der psychisch erkrankte / gestörte Mensch braucht zur wirklichen Gesundung / Heilung – im Sinne von Behebung der Ursachen bzw. Auslöser und nicht nur Verdrängung der Symptome – mindestens auch das, was jeder Mensch braucht, um seelisch gesund zu bleiben (und was jeder Mensch auch von Lebensbeginn an braucht, um sich gesund zu entwickeln), was aber der psychisch erkrankte / gestörte Mensch nicht bekam (oder was er nicht leben, nicht geben durfte) und weswegen er erkrankte: LIEBE – wahre, wirkliche Liebe; geliebt werden und lieben dürfen; sich bedingungslos angenommen fühlen; Geborgenheit, Schutz, Fürsorge, Halt, Vertrauen, Förderung, Ehrlichkeit, Offenheit, Aufgeschlossenheit, Natürlichkeit, Echtheit, Wahrhaftigkeit, Führung, Ermutigung, Herausforderung, Verantwortung, Freiheit – Entwicklung des wahren Selbst.
Wer psychotisch geworden ist aufgrund zu großer Bindung an die Bezugsperson(en), hat nicht etwa zu viel Liebe bekommen oder gegeben (es gibt kein zuviel an wahrer Liebe, nur zu wenig), sondern er hat gar keine wirkliche Liebe bekommen und konnte deshalb auch gar nicht wirklich lieben lernen. „Zu große Bindung“ ist schädliches Klammern, Vereinnahmen, Überfordern, Überfrachten und ähnliches. „Zu große Bindung“ ist Vernachlässigung der wahren Interessen, Gefühle und Bedürfnisse. „Zu große Bindung“ entsteht aus Angst und Unsicherheit – auf welcher Seite auch immer: Kind oder Bezugsperson. Angst und Unsicherheit auf Seiten der Mutter erzeugt Angst und Unsicherheit beim Kind. Eine ängstliche, verunsicherte Mutter kann ihr Kind nicht zu einem unängstlichen Kind / Menschen erziehen. Eine Eiche kann auch nur Eicheln hervorbringen und keine Kastanien. Ein Tiger kann seine Kinder nur zu Raubtieren erziehen und nicht zu Vegetariern.
Eine ängstliche Mutter hätte immerhin die Chance, durch Psychotherapie (auch Selbsttherapie, Selbstentwicklung) ihre Angst und / oder Unsicherheit zu überwinden und wirklich lebenstüchtig und glücklich zu werden und so ihr Kind auch zu einem lebenstüchtigen, wirklich glücklichen Menschen zu erziehen, der fähig ist, wirkliche Liebe zu leben – zu geben und anzunehmen.
Neulich hörte ich einen Professionellen im UKE sagen: „Wenn wir die Ursache der Psychosen herausfinden, bekommen wir den Nobelpreis.“
Ich denke, die Ursachen der Psychosen sind bereits herausgefunden – wenn auch die durch das medizinisch-wissenschaftliche Weltbild einäugig gewordenen „Fachleute“ die Ursachen mit ihrem einen Auge nicht sehen können. Man kann das Problem auch so sehen: Die Lebensenergie fließt nicht so, wie sie sollte; es kommt zu Blockaden, Einengungen, Staus und Überdruck. Deshalb fließt die Lebensenergie manchmal sehr heftig in bestimmten Bereichen, die unter dem Energie-Überschuß sehr heftig überrea-gieren: Die typische Erscheinungsform von Psychose (übrigens ist die Depression analog das weitgehende Unterbinden des Fließens der Lebensenergie bzw. das Versiegen. Und zwar ebenfalls aufgrund von seelischen Blockaden. Wie sich diese Blockaden, Einengungen, Abschnürungen und Fehlleitungen von Lebensenergie im einzelnen Darstellen, kann möglicherweise die Akupunktur, Akupressur und ähnliche Behandlungsarten verdeutlichen; die kennen sich mit den Bahnen der Lebensenergie aus. Nicht unerwähnt bleiben sollen auch Wilhelm Reich, Ida Rolf und Alexander Lowen, stellvertretend für alle diejenigen, die Erfahrungen mit der Körperarbeit gesammelt haben. Besonders erwähnen möchte ich Gerda Boyesen, die Erfinderin der biodynamischen Massage, die in ihren Büchern davon berichtet, wie sich im Körper die chemischen Überreste (Chemostase) von nicht verarbeiteten seelischen Vorgängen (Schreck-reflex) ablagern und – wie sie auch am eigenen Leib erfuhr – die Lebensenergie am durchgängigen Fließen hindert. G. Boyesen berichtet von dem schweren Fall eines manisch-depressiven Mannes, der mit Hilfe ihrer Behandlung alle Stadien seiner Krankheitsentwicklung rückwärts erlebte und zum kleinen Kind regredierte, um schließlich völlig von seiner Erkrankung zu genesen.
Lieben Sie Ihre Patienten?
Wer als Psychiater – wie jeder Normale (Normalneurotiker) betroffen von der kollektiven Neurose – nicht im Kontakt mit seinen Gefühlen ist und infolgedessen oder unabhängig davon nicht wirklich lieben kann, wird auch seine Patienten nicht wirklich lieben können und ihnen dementsprechend nicht das geben können, was sie brauchen. Wer seine Patienten / Klienten / Mitmenschen wirklich liebt, will und kann ihnen das geben, was sie wirklich brauchen – z.B. wirklich-menschliche Begegnung, Annahme und Förderung der Entwicklung des wahren Selbst. Wer seine Patienten / Klienten / Mitmenschen wirklich liebt, der tut alles für ihre wirkliche Heilung (auch von der kollektiven Neurose) und dafür, daß sie wirklich glücklich werden. Und dies gilt auch für die Frage, ob Sie sich selbst lieben.
Als bislang „höchste Form psychiatrischer Behandlung“ (unter den gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen) möchte ich die SOTERIA nennen. Bekannt wurde sie uns durch Mosher (USA), Ciompi (Schweiz), Urbahn (Gütersloh) und leider nur wenige weitere.
Woran mag es liegen, daß dieses – auch von vielen Professionellen anerkennend kommentierte – Modell so wenig praktische Umsetzung erfahren hat? Sind die Leiter von herkömmlichen psychiatrischen Kliniken bzw. Abteilungen die Hemmschuhe für solche Projekte / Modelle? Oder ist der Grund (wie ein Profi, der an einem Soteria-Projekt mitgewirkt hat, sagte), daß es zu wenig menschlich entsprechend eingestellte MitarbeiterInnen dafür gibt?
Oder ist der Grund, daß die Krankenkassen dieses – angeblich teurere – Modell nicht bezahlen wollen? Wobei die Krankenkassen und die Gemeinschaft der Versicherten sich möglicherweise besser damit stehen, eine Krankheit beim ersten Anzeichen wirklich nachhaltig zu heilen – und sei es auch mit höherem Aufwand – als nur die Symptome zu unterdrücken und das große Risiko des Wiederausbruchs und der Chronifizierung dem Patienten und der Versichertengemeinschaft aufzubürden. Hier stellt sich auch die Frage, ob es mehr Sinn macht, Krankheit aus betriebswirtschaftlicher oder volkswirtschaftlicher Sicht zu behandeln.
Bleuler, der den Begriff „Schizophrenie“ (also: Spaltungsirresein, eigentlich: „Geistesspaltung“) 1911 einführte, hat – gewollt oder ungewollt -, einen Hinweis auf die Krankheit der Psychiater gegeben, die mutmaßlich ebenso krank sind, wie alle sogenannten normalen Menschen, nämlich betroffen von der kollektiven Normalneurose, die in der Hauptsache darin besteht, vom Säuglingsalter an Gefühle abspalten, verdrängen, unterdrücken zu müssen; für ihre Entwicklung notwendige Bedürfnisse nicht befriedigt zu bekommen bzw. nicht befriedigen zu dürfen. Also ist eigentlich das Normalsein in der zivilisierten Gesellschaft ein geistig-seelisches Gespaltensein, während bei psychotischen Menschen (zumindest in vielen Fällen deutlich erkennbar) diese Spaltung bewußt wird, woraufhin sie dann rückgängig gemacht werden kann. Dies jedoch gehört zu den Vorgängen, die von Psychiatern als Krankheit erkannt werden und nicht als das, was es ist: ein (Selbst-)Heilungsmechanismus. Offenbar hat ein nicht eben kleiner Anteil der Psychiater es als Ziel aufgefaßt, den Patienten bei der Weiterverdrängung Ihrer abgespaltenen Anteile zu helfen; das frühere, nun sieche, Ich zu reanimieren und die Entdeckung und Weiterentwicklung des wahren Selbst zu verhindern – möglicherweise in dem Bestreben, die Patienten (wieder oder nun erstmals richtig) an die – kranke, krankheitsverursachende – Normalität anzupassen. Nach meiner heutigen Überzeugung (gründend auf theoretischem Wissen plus Erfahrung am eigenen Leib) können Normalneurotiker – solange sie es sind – nicht wirklich glücklich werden, können nicht wirklich lieben und vieles andere darunter auch nicht und es ist daher für jedes Individuum anzustreben, es von seiner Neurose zu befreien, das sieche Ich und Pseudo-Selbst – wenn es denn schon signalisiert, sterben zu wollen – auch in Frieden sterben zu lassen und dem wahren Selbst dieses Menschen auf die Welt zu helfen und ihm bei seiner Entwicklung zum wahrhaft glücklichen, reifen ganzen Menschen zu helfen.
Mein Verständnis ist so, daß auch Psychotiker, bevor sie erkennbar solche werden, zunächst Normalneurotiker sind; vielleicht mit der Besonderheit, daß einige von ihnen nicht besonders gut verdrängen können, denn sonst würde sich deren Unbewußtes nicht so „leicht“ ins Bewußtsein drängen. Vielleicht bedeutet das (auch), daß Psychotiker – evolutionär gesehen (noch) sehr gesund sind, da sie ihrem Unbewußten – und möglicherweise ihren Gefühlen (noch oder dann wieder) sehr nah sind. Vielleicht ist das Abspalten, Verdrängen, Unterdrücken, Verleugnen von Bewußtseinsinhalten, Gefühlen, Bedürfnissen eine „Fähigkeit“, die – evolutionär gesehen – eher eine Krankheit ist, die wir zivilisierte Menschen erst in den letzten ca. 6000 Jahren, also seit Beginn der Zivilisation gelernt haben?
Seit 1991 befasse ich mich mit der kollektiven (Normal-)Neurose, die ich Zivilisationsneurose nenne und ich erkenne in ihr einen ganz wesentlichen Begünstigungsfaktor u.a. für die Entstehung bzw. teilweise sehr besorgniserregende Zunahme von psychischen Störungen / Erkrankungen. Bereits 1994 habe ich über meinen Verdacht den damaligen Bundes-präsidenten Roman Herzog und eine Reihe von Ministerien und staatlichen wie nichtstaatlichen Stellen informiert – schließlich zu dieser Frage auch eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht, die zwar zunächst angenommen / aufgegriffen wurde, doch dann aufgrund einer verkürzten, verfälschten Tischvorlage mit negativer Beschlußempfehlung abschlägig beschieden wurde; mit dem Vermerk, daß die „wissenschaftlichen Fachgesellschaften“ zuständig seien. Vielfältig untersucht und beschrieben ist das Problem jedoch bereits; nur haben die politisch Verantwortlichen dieses Problem bisher vehement ignoriert. Es besteht seit vielen Jahren zunehmender dringender politischer Handlungsbedarf, denn wenn die kollektive Neurose wirksam bekämpft werden soll, dann müssen sich vor allem die politischen Rahmenbedingungen ändern.
Eine sehr wesentliche Rolle spielt dabei allerdings auch die Psychiatrie und das Bild, das die Öffentlichkeit von ihr und von psychischen Erkrankungen bzw. Störungen sowie von sogenannten psychisch Kranken hat.
Last but not least braucht es eine weitreichende Breitenaufklärung über die wirklichen Ursachen und Auslöser von psychischen Störungen bzw. Erkrankungen – damit sie wenn möglich vermieden werden können. Wo und wenn sie aber einzutreten beginnen, sollten die Betroffenen oder die Mitmenschen im Umfeld dies frühzeitig erkennen und dem Betroffenen helfen, es zu erkennen bzw. sich damit in Behandlung oder zur Beratung zu begeben.
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